Freitag, 13. April 2018

Ein Plädoyer für süßen Wein

Süßer Wein wird verkannt, ohne Frage. In Zirkeln Weininteressierter stellt immer irgendwann jemand fest, dass nur trockener Wein das Wahre und süßer Wein nur etwas für Traubensafttrinker sei. Durch diese Ignoranz verpasst man nicht nur hervorragende Weingenüsse, sondern beschränkt darüberhinaus den eigenen Horizont vollkommen unnötig.

Ich spreche hier nicht nur von edelsüßen Dessert- oder Eisweinen, welche als Delikatessen angesehen werden, sondern eben auch von jenen oft geschmähten, als lieblich oder fruchtig deklarierten Weinen.  Klar, nicht wenige dieser Weine sind fast schon klebrig und passen so gar nicht zu gutem Essen, da sie dieses total überlagern würden - allerdings gibt es auch reichlich fruchtig-leichte Alternativen, die perfekt zur Käseplatte oder einem fruchtigen Dessert passen. Aber auch bei Hauptgerichten, besonders solche, die wie beispielsweise die ostasiatische Küche mit sauren und süßen Aromen spielen, kann ein süßer Wein hervorragend mit den Aromen harmonieren.

Ein fruchtiger Riesling aus dem Kloster Eberbach, hier zusammen mit einer
Spinatquiche eine hervorragende Kombination für schöne Frühlingstage.


Woher kommt der schlechte Ruf der süßen Weine? Besonders im Billigpreissegment wird Zuckersüße häufig verwendet, um eine Armut an Aromen zu überspielen, daher schmecken diese hin und wieder fast ausschließlich nach Zucker, jedoch kaum nach Frucht. Außerdem unterstellt man süßen Weinen gerne, sie bereiteten am nächsten Tag gerne mal Kopfschmerzen. Dazu sei gesagt, dass bei einem verantwortungsvollen Weingenuss, der in der Regel nicht mit einem starken Rausch einhergeht, grundsätzlich die Gefahr eines Katers so gut wie gebannt ist. Sollte es aber dennoch mal zu einem oder zwei Gläsern mehr kommen, kann es tatsächlich sein, dass liebliche Weine für etwas mehr Brummen sorgen als trockene. Das liegt aber weniger am Zucker als an Begleitstoffen, die in süßem Wein in höheren Konzentrationen vorkommen als bei solchen mit geringerer Restsüße. Insbesondere sind hierbei Sulfite (Schwefelsäureester) und sogenannte Fusel- oder Begleitalkohole zu nennen. Süße Weine befinden sich häufig am oben Ende der Skala, was den Gehalt dieser Stoffe angeht, welche wirklich für den ein oder anderen Kater verantwortlich sind. Dieser Vorwurf ist also nicht ganz unbegründet.

Jedoch muss ganz klar gesagt werden: wer hochwertigen Wein moderat und nicht zu schnell genießt und dabei nicht vergisst, dass zur Hydration des Körpers Wasser und nicht Wein dienen soll, wird so gut wie nie mit Kopfschmerzen bestraft werden.

Welchen süßen Wein nehme ich denn nun?

Ganz unklare Antwort: Kommt drauf an. Als Dessertwein oder zu würzigem oder sehr fettem Käse bietet sich sicher ein Eiswein oder eine Beerenauslese an. Zu süß-sauren Gerichten beispielsweise Hünchen mit Reis und einer entsprechenden Soße darf es gerne ein fruchtiger Weißburgunder oder Riesling sein. Das Zauberwort heißt wie immer ausprobieren. Jeder Geschmack ist etwas anders und besoners bei Süßweinen muss man sich einfach etwas ins Wasser wagen, um den richtigen für sich selbst zu finden. Bei Weinen in der Preisklasse von 5 bis 10 € lassen sich so einige Überraschungen entdecken, die außer Restsüße auch viele Aromen und Früchte mitbringen. 


Neben der ganzen Theorie aber gilt ganz einfach: Es muss schmecken, sonst nichts. Viel Spaß beim Ausprobieren!




Donnerstag, 5. April 2018

Avoid News - eine Gebrauchsanweisung für reißerische Berichterstattung

Heute soll es um das Thema News oder besser Avoid News gehen. Seit einiger Zeit konsumiere ich keine Nachrichten mehr aktiv. Früher war es bei mir an der Tagesordnung am Morgen die Tagesschau oder Tagesthemen des Vorabends beim Frühstück zu anzusehen, damit ich "wusste was auf der Welt so los ist". Im Nachhinein betrachtet war das ziemlich dämlich, mir so direkt den Start in den Tag mit schlechter Laune und unnötigem psychischem Ballast zu verderben. Im Folgenden möchte ich aufzeigen, warum das aktive Konsumieren von Nachrichten aus aller Welt nicht nur nicht sinnvoll, sondern auch schlecht ist und warum man es vermeiden sollte. Auch wenn das im ersten Moment nach Gleichgültigkeit und Desinteresse für die Welt um einen herum klingt, so ist es das beste, was ihr eurer Psyche antun könnt.

by JonDoodles on drawception.com

1. Das Meiste betrifft euch nicht.

Attentat in Kinshasa, Selbstverbrennung in Tibet, Feuer in Tokyo; alles furchtbare Dinge, die jeden Tag irgendwo so ähnlich passieren. Wenn man davon hört ist man bedrückt, hat vielleicht sogar Angst. Aber wozu? Ob ich davon höre oder nicht hat für den weiteren Tagesablauf, das was in der kommenden Woche passiert oder vermutlich sogar im Rest meines Lebens keine Relevanz. Es hat keine Auswirkungen bis ins Rhein-Main-Gebiet, es hat keine Folgen für die hiesige Bevölkerung. Was also ist der Mehrwert davon zu erfahren? So lange ich auch nachdenke, außer, dass es mir auf die Stimmung schlägt, beeinflusst es mich in keiner Weise. Ebensowenig haben die armen Opfer in Kinshasa, Tibet und Tokyo etwas davon, wenn ich trauere und mich emotional darauf einlasse. Niemandes Brandwunden werden geheilt, geschweige denn bessert sich etwas dadurch, dass ich 20.000 km entfernt, etwas davon gehört habe.

2. Alles andere als objektiv.

Nachrichten sind nicht objektiv. Keine. Weder Welt, Zeit, SPIEGEL, N24, RTL noch die Tagesschau. Alle werden von Menschen ausformuliert nachdem sie aus einem großen Pool an News ausgewählt wurden. Aus dem großen Pott von Agenturmeldungen (, letzten Endes bedienen sich alle Nachrichten aus den gleichen 3-4 Trögen,) werden subjektiv die relevantesten herausgefiltert und in eigenen Worten und mit der eigenen Weltanschauung vermengt wiedergegeben. Bei allen Portalen kann man am Ende das Tages mehr oder weniger das Gleiche lesen - nur mit anderem politischen und weltanschaulichen Unterton. Nicht zuletzt die Berichterstattungen zu Krim (pro-Ukraine), Katalonien (pro-Spanien) und Flüchtlingsdebatte (pro-Regierung) zeigten, dass die meisten Medien eine scheinbare öffentliche Meinung vertreten, die viele und manchmal sogar die meisten Menschen nicht teilen. Die Medien geben ein verzerrtes Bild wieder, was die Gesellschaft vornehmlich denkt und anders lautende Meinungen werden oftmals verächtlich dargestellt. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um die öffentliche, sondern vielmehr um die veröffentlichte Meinung.
Grundsätzlich werden auch trügerische Gewichtungen vorgenommen. Misst man mal spaßeshalber die Dauer der Berichterstattung über Terrorismus in Deutschland und die der Opfer von im Krankenhaus erworbenen Erregern, so wird das Verhältnis im vielfach-tausendfachen zugunsten von Terrorismus ausfallen. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 starben in Deutschland weniger als 50 Menschen durch Terrorismus, allerdings schätzungsweise 40.000 bis 60.000 an Infektionen durch sogenannte Krankenhauskeime. Das Missverhältnis wird in den Medien nicht nur nicht kommuniziert, es wird ignoriert. Beispiele für solche Missverhältnisse gibt es leider zuhauf.


3. Keine Nachrichten konsumieren heißt nicht uninformiert zu sein.

Wenn ich heute aufhöre Nachrichten zu konsumieren, bin ich nicht automatisch uninformiert. Es geht nicht darum Nachrichten grundsätzlich zu vermeiden und sich in einen Schrank zu verkriechen und sich von der Außenwelt abzuschotten. Es heißt vielmehr, nicht vorgekaute Informationsfetzen zu sich zu nehmen, die jemand anderes für wichtig genug hielt, sie mit anderen zu teilen.
Natürlich sollte man sich über gewisse Themen informieren; dazu gehören a) Themen, die mir selbst wichtig sind bzw. mich interessieren, b) Themen, die für mich relevant und entscheidend sind (z.B. solche, die meinen Berufsstand betreffen oder meine Freizeitaktivitäten) und b) regionale Nachrichten, da diese Einfluss auf mein Leben haben können. Jeder sollte sich die Informationen, die er will und die er braucht auf entsprechenden Plattformen, die dieses Spezialwissen anbieten, und bei regionalen Informationsmöglichkeiten holen. Sei es bei speziellen Internetseiten, Newsagenturen, Herstellern, Lieferanten, der Stadt, der Lokalzeitung und wenn es sein muss auch Blogs wie z.B. hier zum Thema Minimalismus. Wenn man sich seine Quellen zusammensucht, denen man vertraut, ist man informiert ohne den negativen  Einheitsbrei der Leitmedien konsumieren zu müssen, der zu 99% irrelevant ist.

"John Carpenter's The live!" - © Alive Films, USA, 1988


4. Alarmismus.

Nachrichten konkurrieren, egal ob Print oder Bewegtbild. Konkurrenz führt dazu, dass Schlagzeilen und Aufmacher immer etwas hysterischer dargestellt werden als sie letztendlich sind. Alles muss immer tödlicher, größer, gefährlicher sein als je zuvor, weil die Menschen bei nur ein wenig Tod und Verderben eben umschalten zu den News, wo es richtig abgeht. Vermeidet man allgemeine Nachrichten, vermeidet man auch solchen Alarmismus. Stattdessen ein paar Wochen später eine Reportage oder ein Buch zu lesen, bei dem der Autor oder die Autoren mehr als nur eine Nacht Zeit zum recherchieren und nachdenken hatten, liefert nicht nur tiefere Einblicke, es reduziert auch die Notwendigkeit möglichst reißerisch zu kommentieren. (Außerdem wird man nicht mehr in jedem zweiten Satz erinnert, wieviele deutsche Deutsche aus Deutschland bei einem Ereignis betroffen waren...)

5. Wichtige Dinge erfährt man, ob man will oder nicht.

Jeder der zu der Zeit schon lebte weiß genau wo er war, als er vom Mauerfall erfuhr, von den Anschlägen des 11. September, den Anschlägen in Berlin. Warum? Weil sich solche Nachrichten verbreiten wie Lauffeuer. Der Kollege, die Freundin, der Chef, irgendwer wird im zwischenmenschlichen Gespräch solche Informationen aufgreifen und man kommt gar nicht umhin, sie wahrzunehmen. Alles, von dem man nicht über den Buschfunk erfährt, kann nicht wichtig genug sein, dass man es hätte hören müssen.


In diesem Sinne kann ich nur empfehlen, auf Leitmediennachrichten zu verzichten und sich von diesem unnötigen psychischem Ballast zu befreien. Lest, was euch interessiert, nicht was man euch vorsetzt. Avoid news and live freely!

Montag, 11. Dezember 2017

Die Schönheit des Alltäglichen

Manchmal braucht man eine Inspiration von außen, um das Schöne, das einen jeden Tag umgibt, wieder wahrzunehmen. Eine meiner Katzen neigt dazu, abends und morgens zu miauen und um Aufmerksamkeit zu ringen. Auch wenn es schöner ist, von einem miauenden Fellwesen neben dem Kopfkissen geweckt zu werden als von einem schrill klingelndem Wecker, so kann es doch gelegentlich nervig sein; besonders, wenn man am Wochenende versucht auszuschlafen, die Katzen aber den Werktagsrythmus von 6 Uhr beibehalten.

Eines Tages setzte sich meine Katze also miauend auf das Fensterbrett neben meinem Bett und schaute sich miauend um, bis ihr Blick aus dem Fenster fiel. Sie dreht sich langsam und, setzte sich seitlich neben die Scheibe und schaute hinaus. Sie schien nichts besonderes zu beobachten, sondern blickte sich einfach nur um. Weil ich nachsehen wollte, ob es einen Grund für die plötzliche Aufmerksamkeit für die Außenwelt gab, stellte ich mich neben sie und schaute sie streichelnd ebenfalls nach draußen. Ich entdeckte nichts und blieb nun auch so stehen und schaute mich ein bisschen um. Wir saßen und standen eine gute viertel Stunde so da und schauten einfach nur raus. Auch wenn es so klingt als hätte ich ein ziemlich langweiliges Leben, so war das tatsächlich das Highlight meines Tages.


Wir machen das nun öfter, einfach nur dasitzen und das Alltägliche wertschätzen. Es ist nicht nur unglaublich entspannend, sondern man entdeckt auch Kleinigkeiten des Alltags, die einem sonst gar nicht so auffallen. Wie der Hausmeister den Weg freischaufelt, wie die Nachbarn mit ihrem Hund im Schnee spielen, wie in weiter Entfernung am Horizont die Flugzeuge vom Airport starten (nur wenn der Nebel die Sicht nicht verdeckt) und viele andere scheinbar langweilige und doch faszinierende Dinge. Meine Katze scheint genauso begeistert wie ich zu sein: Seit sie entdeckt hat, wie interessant das Fenster ist, miaut sie viel weniger. Noch weniger, wenn ich neben ihr stehe und sie streichle, klar!


Katze und Fenster warten hier auf eine
gemeinsame Runde Nichtstun.

Ich bin jetzt 27, vielleicht ist das nun schon mein Übergang in die Alter-Mensch-glotzt-am-Fenster-Phase. Wenn's so schön ist: Mir egal!


PS: Dazu passt im Übrigen perfekt eine Tasse Tee oder heiße Schokolade. Ich stehe seit die Temperaturen gefallen sind sehr auf koawach, einen nicht zu süßen Faitrade-Kakao mit Guarana. Und für die Wein-Fans: Winter ist bei mir Rotweinzeit, wie wäre es mit einem Württemberger Trollinger oder einem jungen, fruchtigen Schwarzriesling (der eher ein Spätburgunder als ein echter Riesling ist)? Ohne Essen sind mir solche leichten Rotweine doch lieber. Den echten blauen Spätburgunder mit seinen komplexen Aromen hebe ich mir dann für den Weihnachtsbraten auf.

Sonntag, 22. Oktober 2017

Mit Horrorszenarien wider dem Fortschritt

Entschuldigt bitte die nun folgende wall of text, aber wie das nunmal so ist bei Themen, die einem am Herzen liegen, es fällt einem schwer, es herunterzubrechen.

Ich war am vorvergangenen Wochenende mal wieder im Kino. Diesmal war der Film The Circle Objekt der Begierde. Leider eine mehr als trügerische Begierde. Ich wusste, dass ich mich auf einen technologiekritischen Film einließ und ich gegebenenfalls mit Darstellungen konfrontiert werden würde, die mir als sehr technologiefreundlich gesinnten Menschen sauer aufstoßen würden. Was ich jedoch dann zu sehen bekam, war keine Technologiekritik, es war Technologiefeindlichkeit.

via: thecircle.movie


Den Rahmen der Handlung bietet der fiktive Technologiekonzern The Circle, der in deinem Auftreten  insbesondere an Apple (Produktdesign, Personenkult um den Gründer, Apple Park) und Facebook (soziales Netzwerk, Datensammlung) erinnert. Mae, ein vollkommen unreflektiertes und naives Dummchen, fängt in dieser Firma an und wird über die Zeit zu einer Extremistin, wenn es darum geht invasiv in die privaten Daten der Nutzer einzugreifen und sie zur Nutzung des Netzwerks zu zwingen. Der Film möchte eine Dystopie sein und zeigen wie weit Internetgiganten gehen könnten, wenn sie zukünftig Wahlen überwachen und kontrollieren würden und überall im öffentlichen und privaten Raum Videoaufnahmen ohne die Zustimmung der gefilmten Personen angefertigt könnten. Die Prämisse der freiwilligen Partizipation wird weggewischt und Mae und The Circle möchten die Mitgliedschaft im Netzwerk obligat machen, um ihre Macht zu vervollkommnen

Doch was ist das Problem an dystopischen Filmen? Es gibt schließlich auch Politikthriller, Ärzteserien und Copfilme, in denen über korrumpierte Systeme sinniert wird, die meist auch völlig aus der Luft gegriffen werden; warum sollte das bei technologischem Fortschritt tabu sein? Zu allererst: ist es nicht. Der Film macht allerdings einige Fehler, die er aufgrund seiner enormen Reichweite besser beiseite gelassen hätte.

Zunächst: Die Digitalisierung ist die größte Chance der heutigen Generation der Menschheit und wird das Leben der noch kommenden Generationen nachhaltig beeinflussen. Die Erfindung des Internets ist gleichzusetzen mit der der Dampfmaschine; es ist eine industrielle Revolution ohne Umkehr. Die Digitalisierung bietet uns Chancen der Krankheitsprävention, Diagnostik, Hungerbekämpfung, Forschung im Life Science-Bereich und Kommunikation, die sich unsere Vorfahren niemals auch nur erträumt hätten. Das weitere Fortschreiten dieser Technologie ist jedoch eminent abhängig von der Akzeptanz der Bevölkerung. Nur wenn die Menschen dieser Schlüsseltechnologie vertrauen, werden sie es zulassen, dass in Zukunft künstliche Intelligenzen Auto fahren, diagnostizieren, programmieren, auswerten, entwerfen und unsere Entscheidungen sogar prüfen. Alles das werden hoch entwickelte, selbst lernende neuronale Netze bald besser können als wir und wir dürfen es nicht verschlafen dies zuzulassen, da nur dies dauerhaft zu Wohlstand und Bildung aller Menschen führen kann. Der Hunger und die Armut gehen seit Jahrzehnten dank der Arbeit von Millionen von karitativ arbeitenden Menschen zurück. Eine technologische Revolution in Form einer KI könnte den Prozess exponentiell steigern. (Ich empfehle diesbezüglich sowohl Zweiflern als auch Verfechtern das Buch The Singularity is near vom amerikanischen Zukunftforscher Ray Kurzweil.)

CRISPR/Cas 9, eine Zukunftstechnologie, die zukünftig Millionen von Menschen das
Leben retten wird. Ohne die Sammlung und Auswertung von Patientendaten unmöglich.
via: jax.org


Was sind nun die Probleme an The Circle? (Spoiler)

1. Es zeigt nur Extreme
Jene, die an Zukunftstechnologien glauben sind durch die Bank weg Extremisten. Sie wollen den absolut gläsernen Bürger und jeden dazu zwingen in dem Netzwerk Mitglied zu werden. Die Kritiker wiederum sind Hinterwäldler und absolute Feinde jeglicher Digitalisierung. Es ist ein reiner Konflikt 0 gegen 1. Das suggeriert, man müsse sich für eine Seite entscheiden, es gebe kein Dazwischen.

2. Positive Seiten der Zukunftstechnologien werden ausschließlich von den "Bösen" geäußert
Klar, der Film betont auch, dass Digitalisierung und Transparenz der Bekämpfung von Krankheiten, Hunger und Ungerechtigkeit auf der Welt helfen kann, diese Vorzüge werden aber nur von den korrumpierten Digitalfanatikern geäußert. Es gibt keine neutralen oder nicht extremistischen Pro-Stimmen.

3. Das Ende ist die Dystopie
Das Ende zeigt eine unendlich transparente Welt, in der niemand den Kameras des Circle entkommen kann und stellt dies als alternativlose, zu akzeptierende Zukunft dar. Dass auch in einer voll digitalisierten Welt Rückzugsorte und Privatsphäre existieren können (ja müssen) scheint bei der Auflösung absurd. Es ist unausweichlich, dass in Zukunft nicht mehr Regierungen bestimmen wie wir leben, sondern das Kollektiv an digitalen Zuschauern und ein Weltkonzern, der alle Daten sammelt.


Fazit: Dieser Film könnte die Akzeptanz von Digitalisierung und indirekt auch künstlichen Intelligenzen um jähre zurückwerfen. Besonders unbedarfte Zuschauer, die allem digitalen zunächst skeptisch und ängstlich gegenüberstehen, werden hier in ihrer revisionistischen Weltsicht bestätigt oder es entwickelt sich diese erst. Nicht zu Unrecht schrieb die Süddeutsche The Circle sei "1984 für Dumme".  Zum Glück ist dieser technologiefeindliche Mist kein Kassenschlager. 

Zur Beruhigung empfehle ich bei den noch milden Temperaturen einen leichten Trollinger halbtrocken aus dem Württemberger Land. Perfekt zu Geflügel oder geschmortem Gemüse.

Mittwoch, 16. August 2017

Zeit

Mein letzter Post ist nun bald 7 Monate alt; da staunt man selbst, wie schnell die Zeit vergeht. Die letzten Monate waren stressig (positiv) und aufregend. Leider musste da das ein oder andere Hobby in den Hintergrund treten; leider auch dieses Blog.

Hinter mir liegt eine Bachelor-Arbeit (erfolgreich abgeschlossen), eine Einarbeitung in eine neue Arbeitsstelle (noch nicht abgeschlossen) und viele angefangene, abgebrochene und fertiggestellte andere Projekte. Es hört nie auf, und das ist gut so!

Gestern Abend war ich das erste mal in diesem Jahr im Kino, im Film Planet der Affen: Survival. Das ist für Leute, die mich kennen absolut verwunderlich. Nicht, dass ich ins Kino gehe, sondern, dass ich in acht Monaten erst einmal dort war. Seit ich meine Filmesammlung aufgegeben hatte, ging ich beinahe wöchentlich ins Kino. Vorher waren Filme und Serien für mich oft Nebenprodukte, die ich bei anderen Tätigkeiten mutkonsumiert habe. Ich habe es dann genossen, mich im Kino voll und ganz nur auf den Film zu konzentrieren. Das hat mir wirklich gefehlt. Deswegen habe ich mir jetzt vorgenommen, in Zukunft wieder häufiger ins Kino zu gehen. Zwei bis drei Stunden absolut abschalten und in eine andere Welt zu entfliehen (ähnlich wie beim Lesen) tut einfach sehr gut.

Ach und was ich noch loswerden sollte: Grüße von einem meiner neuen Haustiere, aber dazu wann anders mehr ;)



Sonntag, 29. Januar 2017

Januarabschluss am Sonntagabend

Hallo liebe Freunde,

ich nutze das Wochenende gerne, um mir für etwas besonders viel Zeit zu nehmen, das im Wochentrubel gerne untergeht: Kochen und Genießen. Komme ich in der Woche meist gegen 18 Uhr nach Hause, je nachdem welche Erledigungen noch zu tun sind auch mal später, steht mir selten der Sinn, noch dem Kochen zu frönen. Da bleibt es dann meistens ganz minimalistisch bei einem schnellen Gericht oder einer Brotzeit. Hin und wieder gibts dann dazu auch mal einen Wein.

Umso schöner ist es dann sich am Wochenende mit Zeit und Muße diesem Thema zu widmen. Beim Kochen kann man gut abschalten, über Dinge nachdenken oder sich einfach auf die Sache konzentrieren und alles andere ausblenden. Vergangenes Wochenende gab es bei mir Gemüselasagne mit einem zunächst zweifelhaften und später zweifelsfrei gutem Bordeaux (s.u.). Ein entspanntes, leckeres Abendessen mit Rotwein und guter Musik, sonst nichts. Perfekt um den Monat Januar abzuschließen, die neuen Erlebnisse des neuen Arbeitsplatzes einmal Revue passieren zu lassen und Energie und Kraft für den nächsten Monat zu fassen.



Zugegeben die Lasagne lässt Schönheit vermissen, das ist aber bei dem Geschmack, den sie hatte, zweitrangig. Ohne dabei fernzusehen, wie es unter Woche gerne beim Essen mache, kann ich mir am Wochenende alle Zeit der Welt nehmen und einfach genießen. Meine Zusammenstellung für das perfekte Sonntagabendessen war zur Gemüselasagne eine Duftkerze und das Album Alles nix konkretes von AnnenMayKantereit, eine herrliche Band aus Köln mit gefühlvollen Texten und energischen Melodien, hört mal rein. Besonders Barfuß am Klavier trifft mich jedesmal hart wie eine Abrissbirne.

Beim Wein handelte es sich um einen Le Cavalier d'Or, einen sehr gehaltvollen Bordeaux, der von der Concours International de Lyon 2015 die Goldmedaille erhalten hat. Zugegebenermaßen war ich etwas enttäuscht als ich ihn Samstagabend zum ersten Mal geöffnet hatte, denn er hatte eine bleierne Schwere, die sich pelzig auf der Zunge niederlegte. Ich war leicht schockiert, doch merkte, ich als ich ihn eine knappe Stunde später, nachdem ich den erste Schreck abgelegt hatte, erneut probierte, dass er  etwas Pelzigkeit abgelegt hatte. Kurzerhand goss ich eine gute Portion in eine Karaffe und ließ ihn dekantieren... 24 Stunden lang. Zunächst an der Raumluft und über Nacht mit einem Verschluss im Kühlschrank. Zwei Stunden vor dem Essen am Sonntag habe ich ihn dann wieder aus dem Kühlschrank genommen. Und was soll ich sagen? Perfekt! Er war immer noch vollmundig und aromatisch, jedoch schmeckte er viel frischer und schmeichelte jetzt der Zunge statt sie zu belegen. Es kommt selten vor, dass ich einen Rotwein derart lange "atmen" lasse, aber bei diesem hat es sich definitiv gelohnt. Allerdings muss ich nun für den Rest der Flasche schon am Vorabend einplanen, dass ich ihn am nächsten Tag trinken möchte.

Mit diesem Abendessen wie ein Urlaub verabschiede ich mich und den Januar (auch wenn er natürlich noch zwei Tage dauert) und wünsche euch einen guten Start in die neue Woche und den Februar.

Euer Sascha

Montag, 9. Januar 2017

Erster Arbeitstag - alles, nur nicht minimalistisch

Hallo liebe Freunde,

die letzten 3 Wochen waren geprägt von Umzugsvorbereitungen, Organisieren meiner Abschlussarbeit, dem Umzug selbst und letztendlich Einrichten der Wohnung. Permanent mit der Frage im Hinterkopf, wie es wohl so alles werden wird mit der neuen Zukunft. Das schöne ist ja, man weiß es vorher nicht.

Meine neue Wohnung war nach dem üblichen Umzugsstress mit großem Wagen und Kisten bzw. Möbel schleppen zum Glück nach einem Tag bestückt. Danach hatte ich eine Woche Zeit, die Möbel aufzubauen und mich soweit einzurichten. Ich liebe meine neue Wohnung; allein der Ausblick dürfte alles sagen. Egal wie stressig ein Tag oder schlecht die Laune ist, wenn man abends diese Aussicht genießen kann, ist alles zweitrangig.



Und heute nun hatte ich meinen ersten Arbeitstag. Und wie das nunmal so ist, man lernt viele neue Leute kennen, hört tausende neue Sachen und am Ende des Tages hat man so viel im Kopf herumschwirren, dass letztendlich kaum etwas hängen geblieben ist. Ich bin sehr zufrieden mit meinen Kollegen und glaube, dass eine fruchtbare, herausfordernde Zeit vor mir liegt, auf die ich mich schon sehr freue. Schwimmen lernt man nur, wenn man ins Wasser geht und das ist auch meine Philosophie für neue Aufgaben; man soll nicht alles am ersten Tag lernen oder gar können, sondern mit seinen Aufgaben wachsen.

Wichtig ist es vor allem, sich abends zu Hause einen Ausgleich zu gönnen. Entspannende Musik, ein interessanter Film, Essen gehen, jeder hat andere Methoden um abzuschalten. Auch ich habe keinen Universalplan, aber heute am ersten Tag wollte ich gerne einfach nochmal in Ruhe reflektieren, was ich heute alles erlebt habe. Deswegen sitze ich jetzt auf meiner Couch, zusammen mit einem lieblichen Pfälzer Riesling, einer kleinen Käsevariation und gedankenanregender Musik (Empfehlung unten). Der perfekte Abend!

Bis bald,
euer Sascha